Kokederas Welt

Moos ist die Grundlage von Allem

Warum Kredite so teuer sind

Verfasst von kokedera am 6. November 2009

Die Zinsen sind niedrig wie noch nie – und die Kredite sind immer noch teuer? Warum ist das so? Wie errechnen sich eigentlich die Kosten für einen Kredit?

Der „Preis“ für einen Kredit setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

1. Der Einstandssatz: Die Bank verleiht ja nicht „ihr“ Geld, sondern Geld, das sie sich selber geliehen hat: von den Guthaben ihrer Kunden, von anderen Banken oder – neuerdings – vom Staat. Dafür zahlt sie ja auch einen Zins. Dieser bewegt sich zwischen ca. 0,3% (für kurzfristiges Geld bis maximal 1 Jahr Laufzeit) und ca. 4% (für langfristiges Geld: 1 – 10 Jahre).

2. Die Risikokosten: Wenn nur ein Kredit von hundert Krediten ausfällt, also nicht zurückgezahlt werden kann, bedeutet dies bereits 1% Risikokosten. Diese Kosten müssen natürlich auch berücksichtigt werden.

Die momentane Wirtschaftslage lässt diese Risikokosten zur Zeit stark steigen, da die Anzahl der Insolvenzen (und damit die ausgefallenen Kredite) voraussichtlich deutlich zunehmen wird.

Trotzdem kann der einzelne Kreditnehmer diese Kosten in einem gewissen Rahmen beeinflussen: Je besser sein individuelles Ratingergebnis, also die Beurteilung seiner Bonität, desto geringer die von ihm anteilig zu zahlenden Risikokosten. Oder er stellt belastbare Sicherheiten.

3. Die Verwaltungskosten: Eine Bank zu führen, verursacht Kosten. Dazu gehören nicht nur die Personalkosten für den Kundenbetreuer und den Kreditsachbearbeiter, sondern auch für den Vorstand, die Stabsabteilungen, den Pförtner und den Twitter-Freak in der PR-Abteilung. Und natürlich die Aufwendungen für ein extrem komplexes IT-System, das es z.B. ermöglicht,  an jedem Ort auf der Welt zu jeder Tag- oder Nachtzeit Geld aus einem Automasten zu ziehen…

Der Anteil der Verwaltungskosten sollte nicht höher als 60% des Zinsüberschusses betragen, also nehmen wir mal etwa 2% (schafft in Deutschland keine Bank…).

4. Die Eigenkapitalkosten: auch die Rendite genannt. Ein „böses“ Wort. Andererseits: Könnte man mit dem Betreiben einer Bank kein Geld verdienen, gäbe es keine. Wär irgendwie auch nicht gut. Ob es nun gleich 25% sein müssen…? Aber es sollte mehr sein, als im Sparstrumpf, sagen wir mal so etwa 15%.

Da auch eine Bank bei der Herausgabe eines Kredites „Eigenkapital“ einsetzen muss, und zwar gesetzlich vorgeschrieben mindestens 8% der Kreditsumme, machen 15% Rendite auf diese 8% Eigenanteil bereits 1,2%-Punkte bei dem Zinssatz aus.

Und damit sind wir jetzt schon dabei, die Kreditkosten – als Daumenregel – kalkulieren zu können:

ca. 1,0% Risikokosten

+ 2,0% Verwaltungskosten

+ 1,2% Eigenkapitalkosten

= 4,2% Aufschlag auf den Einstandssatz.

Da Banken aber eine Mischkalkulation vornehmen und auch noch andere „weiche“ Faktoren (Art des Kredites, Bearbeitungsaufwand) eine Rolle spielen, variieren die Zinssätze z.T. erheblich.

Aber wenn man weiß, wie sie sich errechnen, kann man auch besser mit der Bank über die Kreditkosten verhandeln. Wer es ganz genau wissen möchte, findet hier auch eine Beispielrechnung.

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Planen? Jetzt?

Verfasst von kokedera am 4. November 2009

Das Jahr geht zu Ende und schon wieder ist die Zeit für die Unternehmensplanung gekommen. Aber kann man denn in diesen Zeiten überhaupt planen? Niemand weiß, was das nächste Jahr bringen wird – oder eben nicht bringen wird. Aber gerade deswegen sollte man sich gut darauf vorbereiten!

Aber wie? Ein Unternehmer sollte seine Jahrersplanung jetzt dazu nutzen, Szenarien abzubilden. Gerade dann, wenn er damit rechnen muss, Geschäft, Kunden und damit Umsatz zu verlieren.

Er sollte planen, wie er auf solche Ereignisse reagieren kann und sollte. Damit er vorbereitet ist und es dann auch gleich umsetzen kann.

Er sollte mit Hilfe seiner Unternehmensplanung einen Worst Case errechnen: ab welchem Umsatzeinbruch kann er nicht mehr reagieren, und wird  sein Unternehmen nicht überleben? Damit hat er seinen Worst Case ermittelt – und kennt sein Mindestziel im Hinblick auf Umsatz und Kosteneinsparungen.

Er sollte mit Hilfe seiner Unternehmensplanung einen Break Even errechnen: Welchen Umsatzeinbruch kann er verkraften, bis der Gewinn futsch ist?

Er sollte mit Hilfe seiner Unternehmensplanung errechnen, was passiert, wenn der Umsatz stagniert. Wie werden sich die Kosten entwickeln? Kann er noch sparen? Welchen Einfluss werden die steigenden Energiekosten haben?

Er sollte mit Hilfe seiner Unternehmensplanung errechnen, was passiert, wenn seine  Umsätze steigen. Braucht er zusätzliche Mitarbeiter? Reichen seine Kapazitäten und Ressourcen? Welche neuen Kosten können entstehen?

Wenn ein Unternehmer diese Szenarien durchdacht hat, kann eigentlich im nächsten Jahr nichts passieren, auf das er nicht vorbereitet ist.  Auch wenn er jetzt noch nicht weiß, was das neue Jahr bringen wird – oder eben nicht bringen wird.

Und – Hand aufs Herz – so ein bisschen weiß man ja doch, welches Szenario das wahrscheinlichste ist. Und dieses „wahrscheinliche“ Plan-Szenario wird dann mit der Bank besprochen. Denn auch der Banker muss wissen, was den Unternehmer – wahrscheinlich – nächstes Jahr erwartet.  Je früher er seine Planung vorlegt, und je detaillierter und plausibler sie ist, desto leichter fällt es ihm, erforderliche Liquidität durch Kredite sicherzustellen.

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Neulich bei der Bank… (2)

Verfasst von kokedera am 26. Oktober 2009

Mal wieder ein Banktermin. Der Kunde möchte seine Kreditlinie erhöhen – so wie es mit der Bank vereinbart war, wenn er bestimmte Voraussetzungen im Rating erfüllt.

Bank: Gratulation! Sie haben Ihr Ratingergebnis um zwei Noten verbessern können. Ich freue mich für Sie.

Kunde: Oh, danke! Dann können wir ja jetzt die Linie erhöhen.

Bank: Hm, also… Unser Haus hat die internen Anforderungen an das Rating erhöht. Leider können wir Ihren Kredit nun doch nicht erhöhen. Ihr Ratingergebnis reicht nicht aus.

Kunde: Ja, aber, Sie sagten doch…

Bank: Tut mir Leid. Wissen Sie, wir haben unser Risikomanagement neu aufgebaut und unsere Geschäftspolitik angepasst. Dafür haben Sie doch sicher Verständnis.

Kunde: Nein!

Bank: Sehen Sie: Wenn wir unsere Risiken besser managen, dann profitieren ja auch Sie davon! Weil es dann sicher ist, dass unsere Bank diese schlechte Zeit auch übersteht und nicht plötzlich weg ist – und damit Ihr Kredit!

Kunde: Aber wenn ich die Krediterhöhung nicht bekomme, dann überstehe ICH vielleicht die schlechte Zeit nicht. Und das neue Rating hat mich viel Zeit, Mühe und Geld gekostet. Und das soll jetzt vergeblich gewesen sein?

Bank: Aber nein, natürlich nicht. Mit so einem guten Ratingergebnis bekommen Sie  jetzt doch problemlos bei einer anderen Ihrer Banken die zusätzliche Linie.

Aha! Das Ratingergebnis ist also gut genug – „aber nicht für uns…“

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Wahlarithmetik

Verfasst von kokedera am 28. September 2009

Bei Wahlergebnissen hört man viel über „gewonnen“ und „verloren“. Rechengrundlage dafür ist immer der Anteil an den abgegebenen Stimmen. Ich finde allerdings wesentlich interessanter, wie viele der Wahlberechtigten (und nicht nur der tatsächlichen Wähler) sich für eine bestimmte Partei entschieden haben. Wie viele Menschen (=zu Regierende) sich für welche Partei entschieden haben und wie sich die Zustimmung bzw. Ablehnung einzelner Parteien oder Koalitionen entwickelt hat, zeigt die nachfolgende Tabelle. Die Zahlen stammen von der Webseite des Bundeswahlleiters (Stand: 28.09.2009).

Für mich interessant ist dabei, dass sich die jetzt abzeichnende schwarz-gelbe Koalition auf lediglich  etwa 34% Zustimmung unter den Wahlberechtigten berufen kann. Die große Koalition 2005 immerhin noch auf rd. 53%, also eine Mehrheit der Wahlberechtigten und nicht nur der Wähler. Umkehrschluss: eine schwarz-gelbe Regierung ist von 2/3 der Wahlberechtigten, und damit einer klaren Mehrheit, nicht gewollt. Von einer Legitimation durch das Wahlvolk kann eigentlich nicht die Rede sein. In noch größerem Maße trifft dies natürlich auf die zukünftigen Oppositionsparteien zu.

Interessant ist auch, dass die großen Parteien von insgesamt 50% weniger Menschen gewählt wurden als noch 2005 (CDU: ./. 12%, SPD: ./. 38%). Von einer Zustimmung zur Regierungspolitik in der vergangenen Legislaturperiode kann also auch keine Rede sein.

Das jetzige Wahlrecht sieht es nun mal so vor.  Vielleicht sollte man aber bei der Wertung von Wahlergebnissen mal über eine andere Bezugsgröße nachdenken.

2009

Wahlberechtigte

Beteiligung

Wähler

62.132.442

70,81

43.997.633

Partei

Wähler

% Wähler

%Wahlberechtigte

CDU

14.655.004

33,31

23,59

SPD

9.988.843

22,70

16,08

FDP

6.313.023

14,35

10,16

Linke

5.153.884

11,71

8,29

Grüne

4.641.197

10,55

7,47

2005

Wahlberechtigte

Beteiligung

Wähler

61.870.711

77,65

48.044.134

Partei

Wähler

% Wähler

%Wahlberechtigte

CDU

16.631.049

34,62

26,88

SPD

16.194.665

33,71

26,18

FDP

4.648.144

9,67

7,51

Linke

4.118.194

8,57

6,66

Grüne

3.838.326

7,99

6,20

Partei

Δ Wähler 2009 vs. 2005

Δ Wähler in %

CDU

-1.976.045

-11,88

SPD

-6.205.822

-38,32

FDP

1.664.879

35,82

Linke

1.035.690

25,15

Grüne

802.871

20,92

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Fördermarathon

Verfasst von kokedera am 21. Juli 2009

Neulich, bei verschiedenen Banken: Beratungsgespräch über die Möglichkeiten, staatliche Fördermittel oder Bürgschaften zu erhalten. Kunde bonitätsmäßig einwandfrei. Interessante Antworten der Bankberater:

„Daran verdienen wir nichts.“

„Das macht zu viel Arbeit.“

„Ach, schaun´s, soo toll sind diese Mittel nun auch wieder nicht.“

„Unser Spezialist ist gerade im Urlaub.“

„Die dafür zuständige Abteilung haben wir aufgelöst.“

„Wozu brauchens das denn?“

Hallo, liebe Ex-Kollegen, gehts noch? Nichts gelernt? Tja, schon erstaunlich, auf wieviel Kooperationsbereitschaft man bei Kreditinstituten trifft, wenn es darum geht, die Finanzierungsstrukturen und -kosten ihrer Kunden zu optimieren (und nebenbei das Risiko der Banken zu reduzieren).

Das schöne Ergebnis dann: die jüngste und kleinste Bankverbindung, eine Sparkasse: „Aber natürlich gerne. Lassen Sie uns schauen, was am Besten passt. Nächste Woche hören Sie von uns!“ Man sieht also: man braucht keine gegelten Haare und Maßanzüge, um ein guter Banker zu sein!

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Neulich bei der Bank… (1)

Verfasst von kokedera am 5. Juni 2009

Achtung: keine Satire!

Ausgangssituation: Ein Unternehmer mit überwiegend Industriekunden (DAX 30) kommt in Probleme: Auf Grund der Krise werden bereits erteilte Aufträge und Projekte storniert, Zahlungsziele willkürlich verlängert. Folge: Liquidität weg. Es wird bereits kurzgearbeitet.

Unternehmer akquiriert neue Kunden, entwickelt neue Projekte. Fortführungsprognose positiv. Es wird eine Überbrückungsfinanzierung benötigt, ca. 180.000 Euro.

Banktermin: Wir wollen Fördermittel des Bundes für „durch die Krise in Not geratene Unternehmen“. Diesen Topf gibt es, wir würden aber auch jeden anderen nehmen. Am Tisch sitzt auch der Förderexperte der Bank.

Förderexperte: erklärt uns an Hand eines Schaubildes, wie die Risikoklassen in seinem Institut ermittelt werden. Erläutert die Bonitätsklassen von 1- 6.

Unternehmer: Ich habe Probleme wegen Umsatzeinbruchs und verändertem Zahlungsverhalten meiner Kunden – deswegen bin ich ja hier. Meine Bonitätsklasse ist nach Ihren Kriterien „6″.

Förderexperte: Das ist schlecht. Dann scheiden Sie leider aus. Können Sie Sicherheiten stellen?

Unternehmer: Nein, Sie haben schon alles für die Investitions- und private Immobilienfinanzierung. Und meine Altersvorsorge habe ich bereits beliehen, um die vergangenen drei Monate zu überstehen.

Förderexperte: Dann erfüllen Sie leider nicht unsere Anforderung an die Risikoklasse. Wir können Ihnen nicht weiterhelfen.

Unternehmer: Aber die Fördermittel sind doch für Unternehmen gedacht, denen es schlecht geht, oder?

Förderexperte: Ja, schon. Aber Sie erfüllen unsere Kriterien nicht.

Unternehmer: Vielleicht mit einer Landesbürgschaft?

Fördererxperte: Im Prinzip ja. Aber dafür werden die Kriterien für gesunde Unternehmen vorausgesetzt.

Aha! Wir fassen zusammen:

Geht es einem Unternehmen schlecht genug, um an den Sondertopf für „notleidende Unternehmen“ zu kommen, geht es ihm zu schlecht für die Bank!

Geht es ihm gut genug, um eine Landesbürgschaft zu erhalten, braucht es diese nicht: es würde das Geld auch ohne bekommen.

Absurdistan mitten in Deutschland!

Es gibt natürlich Ausnahmen, z.B. wenn man „Opel“ heißt. Aber hier ging es ja „nur“ um 13 Arbeitsplätze. Von denen jetzt allerdings 11 gekündigt werden mussten…

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Opelrettung – ohne Alternative?

Verfasst von kokedera am 4. Juni 2009

Es îst geschafft: Opel ist gerettet. Ein Aufatmen geht durchs Land – es geht ja immerhin um 25.000 Arbeitsplätze. 25.000! Eine mittlere Stadt.

Ach ja, Geld kostet es auch. Natürlich, nichts ist umsonst. Erst recht nicht in der Marktwirtschaft.

Aber wieviel eigentlich? Also zumindest schon mal einen Kredit in Höhe von 1.500.000.000 Euro. Und eine Staatsbürgschaft über zusätzlich 4.500.000.000 Euro. Sind zusammen 6.000.000.000 Euro, die im Feuer liegen. Und das sind – Achtung – pro Arbeitsplatz 240.000 Euro. 240.000! Und es sind nicht mal alle Arbeitsplätze gerettet, ca. 10% werden wohl verloren gehen. Und ob Opel überhaupt überlebt, steht ja auch noch nicht fest.

Und warum ärgert mich das jetzt? Ist es denn den Versuch nicht wert? Es geht doch um immerhin 25.000 Arbeitsplätze. Und was da noch alles dranhängt! Da muss man doch alles versuchen…

Okay, dann plaudere ich jetzt mal aus meiner täglichen Erfahrung:

1. Druckerei

Operativ profitabel. Umsatzeinbruch in Januar und Februar 2009 wegen „Na-Sie-wissen-schon-Krise“. Kunden zahlen seit einem halben Jahr mit erheblicher Verspätung („Sie wissen schon: die Krise“). Folge: Liquiditätsklemme.

Überbrückung des Liquiditätsengpasses bedarf etwa 50.000 Euro. Gibts aber nicht. Auch nicht von den staatlichen Förderbanken. Folge: Kurzarbeit für 10 Beschäftigte. Wenn kein Wunder passiert, Entlassungen von mindestens drei Arbeitskräften.

Kosten für Rettung pro Arbeitsplatz: unter 20.000 Euro (Opel: 240.000). Gabs aber nicht!

2. Agentur

Industrie storniert seit Ende letzten Jahres Projektaufträge, für die z.T. bereits erhebliche Vorleistungen erbracht wurden. Neues, fest vereinbartes Projekt bedarf einer Anschubfinanzierung von 180.000 Euro. Damit werden 13 Arbeitsplätze gerettet und neue geschaffen. Antwort mehrerer Banken: ohne Sicherheiten keine Staatsbürgschaft, ohne Staatsbürgschaft kein  neues Geld.

Folge: 13 Arbeitsplätze futsch. Hätten mit 15.000 Euro pro Arbeitsplatz gerettet werden können (Opel: 240.000 Euro).

Und ich habe noch mehr Beispiele aus dem wirklichen Leben.

Warum also wird Opel gerettet? Der „kleine“ Mittelständler aber nicht? Obwohl dort die Arbeitsplatzrettung billiger und – wahrscheinlich – auch nachhaltiger ist? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil eine Opel-Rettung medienwirksamer ist? Weil Super-Wahljahr ist?

Haben die Politiker aus der Holzmann-Pleite nicht gelernt? Warum werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht?

Was habe ich jetzt eigentlich gegen Opel und die Beschäftigten dort? Nichts, rein gar nichts. Im Gegenteil, ich habe großen Respekt vor ihnen und hege auch Empathie für sie. Natürlich sollen sie auch weiterhin eine vernünftige Arbeit haben. Aber ist das nur bei „Opel“ denkbar? Gibt es nicht auch andere Möglichkeiten, sein Geld zu verdienen?

Wie lange könnte wohl ein Staat mit 240.000 Euro Arbeitsplätze subventionieren, die z.B. neu entstehen? Neu entstehen? Ja, warum werden nicht Start-Ups mit 6.000.000.000 Euro gefördert, die sich mit der Entwicklung von z.B. Umwelttechnologie beschäftigen? Die die Brennstoffzelle zur Serienreife entwickeln? Oder alternative Energien optimieren? Oder…? Oder…? Genug gute Ingenieure und hoch qualifizierte Fachkräfte gibt es ja bei Opel. Die dann frei wären, gäbe es Opel nicht mehr.

Würde das Geld nicht mindestens für 5 Jahre reichen? Vielleicht sogar  für 10 Jahre? Und was könnte in dieser Zeit nicht alles erreicht werden? Wieviel neue Arbeitsplätze könnten entstehen? Und zwar nicht in einer sterbenden Industrie, sondern in einer zukunftsträchtigen.

Und warum eigentlich keine „geordnete Insolvenz“? Hat es unter den Politikern bisher nur Herr zu Guttenberg begriffen, dass eine geordnete Insolvenz nichts anderes darstellt, als ein Sanierungsverfahren? Allerdings ohne die Altlasten. Mit dem Ziel, das Unternehmen fortzuführen – aber auf einer Basis, dass die dann verbliebenen Arbeitsplätze sicher sind und nicht von staatlichen Subventionen abhängig. Das dabei gesparte Geld könnte man dann – sinnvoll – in die Eingleiderung der arbeitslos Gewordenen investieren. 240.000 Euro: das reicht, dem normalen Opelwerker 5 – 6 Jahre sein altes Gehalt weiter zu zahlen, selbst wenn er nur Rosen züchten sollte…

Natürlich gibt es bei dieser Strategie keine kurzfristig sichtbaren Erfolge vorzuweisen – aber dafür langfristig wirksame. Aber danach wird in einem Super-Wahljahr nicht gefragt. Lieber werden jetzt 6.000.000.000 Euro rausgehauen. Damit man als Retter von 25.000 Arbeitsplätzen gefeiert werden kann. Und nächstes Jahr, wenn Opel dann doch leider Massenentlassungen verkünden muss, sind die Wahlen ja vorüber. Aber das Geld trotzdem weg. Ist aber ja das Geld Anderer. Also wurscht. Hauptsache: Wiederwahl!

Dieser Artikel strotzt vor Sarkasmus – aber es musste mal raus. Bitte seht mir meine Verärgerung nach, aber wenn man regelmäßig mit dieser Ungleichbehandlung konfrontiert wird, macht sich doch ordentlich Frust breit.

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Armut in Deutschland

Verfasst von kokedera am 19. Mai 2009

Gestern hat der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen „Ersten Armutsatlas für Regionen in Deutschland“ vorgelegt. Die Bilanz ist erschreckend: Es gibt Regionen in Deutschland, in denen 27%, also mehr als jeder Vierte, als arm gelten. Selbst in den wohlhabenden Regionen ist jeder Zehnte als arm einzustufen.

Die geografische Aufbereitung zeigt auch ein deutliches Nord-Süd und Ost-West-Gefälle.

Ich will keine Diskussion entfachen, ob  jemand, der 60% des druchschnittlichen Einkommens erzielt, „arm“ ist (für mich ist er es!). Jeder Drittweltmittelständler wäre wahrscheinlich froh, würde er über diesen Wohlstand verfügen.

Für mich liegt hierin nur die Erkenntnis verborgen, dass es große Unterschiede zwischen „Arm“ und „Reich“ in unserem „gerechten“ Land gibt – und sich diese Schere weiter öffnet. Und dabei geht es nicht nur um Geld, sondern um Chancen. Eine Erkenntnis, die bisher in vielen Einzelstatistiken und -erhebungen schlummert, jetzt aber zusammengefasst vorliegt.

Der soziale Sprengstoff wird m.E. noch immer unterschätzt. Wohl dem „Reichen“, der in der dritten Etage wohnt, wohin man keine Steine werfen kann…

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Medienhype um die „Neue Grippe“

Verfasst von kokedera am 3. Mai 2009

Jährlich werden weltweit 250 Millionen Menschen mit Malaria (Daten der WHO) infiziert, knapp eine Million Menschen sterben daran. Dies sind über 2.700 Tote pro Tag. Während Sie diesen Artikel lesen, werden es wieder 10 Tote mehr sein!

Es gibt wirksame und ausreichende Medikamente gegen diese Krankheit, sowohl zur Prophylaxe als auch zur Akutbehandlung. Aber die am meisten betroffenen Länder und Kranken können sie sich nicht leisten. Und wir, die „zivilisierte“ restliche Welt, sind nicht bereit, sie für wenig Geld oder gar kostenlos abzugeben. Geld ist – mal wieder – wichtiger als Menschen.

Infizieren sich allerdings einige wenige „Westler“ (Amerikaner, Europäer) an einer mittelschwer verlaufenden Krankheit wie der „Neuen Grippe“, werden Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, Katastrophenszenarien entwickelt und -pläne ausgearbeitet. Millionen Euro werden bereitgestellt. Mittel, die dann nicht da sind, wenn Millionen Afrikaner gerettet werden können!

Gestorben sind an dieser „Neuen Grippe“ bis jetzt etwa 20 Menschen weltweit (was mehr als genug sind), soviele wie an Malaria in 10 Minuten, aber diese 20 Menschen sind „mehr wert“ als Millionen Afrikaner. Und wer ist gestorben: Mexikaner aus den Armenvierteln; Menschen, die kein Geld haben, Medikamente zu kaufen. Wohlhabende Mexikaner, Amerikaner, Europäer: sie brauchen keine Angst zu haben, an dieser Grippe zu sterben.

Geld entscheidet über Tod oder Leben!

Und deswegen empfinde ich den Medienhype um die „Neue Grippe“ als obszön!

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Hohe Gewinne der Deutschen Bank im ersten Quartal 2009

Verfasst von kokedera am 29. April 2009

Wie kann das angehen?

Die Deutsche Bank schreibt im ersten Quartal 2009 einen Gewinn in Höhe von etwa 1,2 Milliarden €uro und eine Kapitalrendite von ca. 22%.

Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, wie sie aus einer Analyse von J.P. Morgan hervorgehen:

1. Die DB hat nicht alle erforderlichen Abschreibungen auf ihre Beteiligungen vorgenommen. So ist z.B. die Postbank deutlich höher in den Büchern bewertet als ihr tatsächlicher Marktwert.

2. Sie hat riskante Assets (toxische Papiere) von knapp 36 Milliarden €uro aus dem Handelsbuch in das Anlagevermögen umgebucht. Diese müssen dann nicht mehr mit dem aktuellen – gesunkenen – Marktwert bewertet werden.

3. Geringe Eigenkapitalausstattung führt zwangsläufig schon rein rechnerisch zu einer hohen Verzinsung (=Rendite). Laut J.P. Morgan fehlen der DB eigentlich rd. 8 Milliarden €uro an Eigenkapital. Würde das Kapital die erforderliche Höhe haben, wäre die Rendite, schwuppdiwupp, auf einer „normalen“ Höhe.

Langer Rede kurzer Sinn:

Es wurde halt ein bisschen „getrickst“ (schon in der Bilanz 2008) und ein dickes Ende wird noch erwartet.

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